Eiswein 2008

Der Wetterdienst hatte für den 6.1.2009  minus 10 ° Celsius gemeldet. Die Thermometer zeigten früh um 7.oo Uhr im Weinberg zwar nur minus 8° an, aber besser konnte es nicht kommen. Nach einem kalten bedeckten Vortag warteten die Trauben schon leicht angefroren. Dies bedeutet, dass der Wassergehalt in der Traube zuerst einfriert, dann erst der Zuckergehalt. Beim Auspressen der Trauben bleibt der Wasseranteil in Form von Eis in der Weinpresse und nur der konzentrierte Most läuft in die Kelterwanne. Somit bringt der Eiswein nur das gewollte Ergebnis: Ein auf natürlicher Basis erzielter, konzentrierter Wein.

Nach Vorgaben des Weingesetzes brauchen wir mindestens -6 ° C und mindestens 125 ° Oechsle um einen Eiswein zu ernten.

Eisweinlese 6. Januar 2009:
Innerhalb einer Stunde sind die Trauben gelesen. Die Familie, Freunde und auch die Wickerer Weinkönigin Katharina waren pünktlich um  7.30 im Weinberg eingetroffen. Wilhelm Hück erklärte kurz, wie die gefrorenen Trauben abgeerntet werden. Durch den starken Frost sind auch die Stiele gefroren, eine Schere wird nicht benötigt, denn die Trauben brechen bei leichtem Druck ab und fallen in die Folie. Hier wird der Leseeimer untergestellt und ein Loch in diese gedrückt, so dass die Trauben dann ganz einfach in den Eimer geführt werden können. Schnell werden diese dann vom Buttenträger aus der Zeile getragen und in die bereitgestellten Bütten gekippt.

Guter Laune und warm angezogen freuten sich alle Lesehelfer, dass es doch so schnell ging, denn man wartete schon auf den warmen Kaffee bzw. Tee beim anschließenden Frühstück im Weingut. Der Leselohn ist auch schon versprochen – es gibt dann – wenn der Wein im Frühjahr fertig ausgebaut und in Flaschen gefüllt ist, für jeden eine Flasche Eiswein.

Zu Hause wurden, immer noch bei minus 8 Grad Celsius, die gefrorenen Trauben auf die Kelter gebracht. Innerhalb kürzester Zeit startete das Pressprogramm. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen – nach einer Stunde pressen, wurden die ersten  100 Liter Eiswein mit einem Mostgewicht von 140 ° Öchsle in einen bereitstehenden Behälter gefüllt. Die Presse drückte weiter und auch jetzt blieb die hohe Dichte des Mostes noch bei über 130 ° Öchsle konstant. Insgesamt wurden 120 Liter Most aus den gefrorenen Trauben gepresst.

Weinausbau:
Jetzt geht es an den Weinausbau. Dieser edle Traubenmost soll jetzt zu einem hervorragenden Eiswein vergären. Das heißt, die kleine Erntemenge muss zuerst einmal in einen warmen Raum gebracht werden. Bei einer Raumtemperatur von ca. 18° C wird noch eine Starthefe angesetzt und dann heißt es Abwarten.

Wenn der Wein dann nach ca. 3-4 Wochen vergoren ist, wird er nach sicher vielen Verkostungen, (wenn er dann als angenehm, fruchtig, und sich mit einer edlen Süße präsentiert) von der Hefe genommen und filtriert. Der fertige Eiswein wird nun noch 6 – 8 Wochen gelagert, bevor er dann in Flaschen gefüllt wird.

Abgefüllt wird in kleine 0,25 Liter Flaschen. Eine Menge, welche man gerne zu einem besonderen Anlass, zu zweit und vielleicht auch mit Freunden genießt. Man kann unseren Eiswein zu einem besonderen Essen, als Aperitif oder Digestiv, zu einem Mehrgänge Menü (als süße Nachspeise), zu einem besonderen Ereignis, oder auch ohne einen besonderen Grund – „einfach so“ nach dem Motto – „Man gönnt sich ja sonst nichts“, genießen.

Der Preis:
Wenn man überlegt, dass die Eisweinmenge von 120 Litern bei rechtzeitiger Ernte im Oktober ca. 1000 Liter Wein in guter Qualität gebracht hätte, so ist der Betrag von 15,00 € pro Flasche doch recht preiswert. Der erhöhte Arbeitsaufwand schon im August und September mit der Traubenpflege, wie Entblättern und Freischneiden von Verdichtungen der Traubenzone, das Entfernen von faulem und beschädigtem Lesegut und letztendlich dem Abhängen der Trauben mit einer besonderen Eisweinfolie, bringt einen zusätzlich hohen Anteil an Arbeitsstunden und Materialeinsatz mit sich.

Einfacher wäre es im Herbst einen guten Wein ohne diesen Aufwand zu ernten.
Aber es lebe die Herausforderung einen besonderen Wein mit Hilfe der Natur, aber auch mit einem gewissen Risiko – dass es nicht klappt – ernten zu dürfen und diesen mit neuen kellerwirtschaftlichen Herausforderungen auszubauen, um letztendlich einen „besonderen Tropfen“  zu erhalten.

Das ist es wert.