Primus der Erste

Unter diesem Namen führt das Weingut in diesem Jahr (2007) erstmals einen Wein des Sohnes Michael im Sortiment.

Der Name selbst ist Programm: „Primus“ lat. „der Erste“

Wie es dazu kam (der Sohn berichtet):

„Ich bin nun seit einiger Zeit schon fest in die Arbeitsabläufe des Weingutes involviert, aber einen eigenen Wein, den ich auf eigene Verantwortung das Jahr über im Weinberg betreute und selbst im Keller ausbauen durfte, hatte ich bis dato noch nicht. Ich ging also zu meinem Vater und fragte ihn, ob ich nicht einen kleinen Weinberg für mich haben könnte, auf dem ich verschiedene Ausbauweisen probieren könnte. Er gab mir die Erlaubnis und einen 4 Reihen umfassenden Weinberg in der Lage Hochheimer Hofmeister. Für den Anfang nicht schlecht! Es war zwar kein großes Stück, aber dafür auch nicht so viel Arbeit. Als einzigste Bedingung erlegte er mir auf, anfallende Arbeiten im Weinberg möglichst termingerecht zu erledigen und nichts schleifen zu lassen. Kein Problem! Die Motivation in seinem eigenen Weinberg zu arbeiten ist ja auch viel größer, als in denen des Vaters.

Am darauffolgenden Wochenende war ich mit Freunden unterwegs und ich erzählte ihnen von meinem ersten eigenen Weinberg. Die waren so davon begeistert und versprachen mir regelmäßig bei den anfallenden Arbeiten im Weinberg und Keller zu helfen. Ersteres nahm ich dann im Sommer auch regelmäßig in Anspruch. So wurde im Sommer „ausgedünnt“, „ausgebrochen“ & „Trauben halbiert“. All diese Arbeiten dienten nur einem Zweck: höchstmögliche Qualität!

Ausdünnen:

Bei dieser Maßnahme werden im Sommer noch grüne Trauben vom Stock geschnitten. Dies erfolgt zumeist im Juli, noch vor der Véraison (Traubenverfärbung). Synonyme sind Auslichten, Behangausdünnung, Grüne Lese und frz. Vendange vert (Grüne Ernte). Ziel dabei ist, eine verstärkte Akkumulation von Zucker und Extraktstoffen in den verbliebenen Trauben zu erzielen und dadurch die geschmackliche Konzentration des Weins zu erhöhen. Dies geht natürlich auf Kosten des Ertrages, kann aber eine enorme Qualitäts-Steigerung des Weines bewirken. Eine weitere Alternative ist die Traubenteilung, dabei werden die noch grünen Trauben halbiert. Die entfernten Trauben werden zumeist auf dem Weinbergsboden liegen gelassen oder aus phytosanitären Gründen (Vermeidung von Krankheiten durch Fäulnis-Bakterien) entfernt. Heute werden sie zunehmend von Weingütern für die Produktion von Verjus verwendet. (Quelle: www.wein-plus.de/glossar)

Ausbrechen:

Bezeichnung für das Entfernen aller Triebe, die am alten Holz (Stamm, Kopf, Kordon) austreiben und nicht für eine eventuelle Regulierung des Rebstock-Aufbaus als Zapfen (kurz) oder Rute (lang) gebraucht werden. Dies erfolgt zumeist im Frühjahr, wenn die Triebe etwa 10 bis 20 Zentimeter Länge haben. Bei zu frühem Ausbrechen wachsen die Triebe nochmals nach.

(Quelle: www.wein-plus.de/glossar)

Wir blickten gespannt zum Herbst. Sollte unsere harte Arbeit Früchte tragen, oder waren sämtliche qualitätsfördernde Maßnahmen umsonst gewesen. Die Großwetterlage war günstig und so konnten die Trauben bis in den Oktober hinein hängen bleiben. Voller Spannung wurden Wetterdaten abgerufen und miteinander verglichen. Wie lange würden die Trauben gesund bleiben? Am 15. Oktober war es so weit. Wir trommelten ein paar Freunde zusammen und fuhren in den Weinberg. Es musste schnell gehen, die Trauben sollten frisch gekeltert werden und ohne längeren Aufenthalt in der Sonne in die Kelterhalle kommen. Auf Grund der guten Entblätterungsarbeit Wochen zuvor, konnten die Trauben rasch geerntet werden. Nur 100 % gesunde Trauben kamen in die Eimer, kranke Trauben wurden ausnahmslos selektioniert.

Zu Hause angekommen wurden die Trauben gleich auf die Kelter geschüttet und schonend ausgepresst, der Most in einem Tank gesammelt. Als vorläufiges Mostgewicht stellten sich 96° Oechsle ein (eine schwache Auslese!).  Knapp 600 Liter Most konnten als Endergebnis verbucht werden. Davon gingen durch die Vorklärung (Schalen, Kerne & Trub werden abgezogen) schätzungsweise 100 Liter nochmals ab. Aus der Menge gab sich aber ein Problem: Das Weingut verfügte nicht über ein entsprechendes Vorratsgefäß. Bis dato waren nur 300 l Tanks und 600 l Tanks vorhanden. Da ein Weintank aber immer „Spundvoll“ gehalten werden soll, gab es nur 2 Möglichkeiten. Entweder einen 600 l Tank mittels CO² als „voll“ simulieren (CO² vertreibt die Luft als Oxidator) oder aber unseren Wein in ein 300 l Tank füllen und den Rest verwerfen. Das Erstere gestaltete sich schwierig, das Letztere wollte man hinsichtlich einer Prämierungsanstellung (mindestens 400 l) nicht machen. In die Überlegungen platzte mein Vater mit einer Überraschung: Er hatte an Hochheimer Markt vorausschauend einen 525 l Tank bestellt.

Spundvoll:

Ein Weintank muss immer randvoll sein. Ist er nur halbvoll gefüllt, gelangt Sauerstoff (Oxidator) an den Wein und lässt diesen schneller altern (Alterungston).

In den darauf folgenden Wochen wurde der Wein schonend bei 15° Celsius im Keller vergoren. Bei regelmäßigen Gärkontrollen stellte sich eine gleichmäßige Mostgewichtsabnahme heraus, die für eine gute Vergärung unabdingbar ist.


Im Winter passierte nicht allzu viel im Keller. Der Wein lagerte noch auf der Hefe und würde erst im Frühjahr filtriert und abgefüllt werden. Nun wurde es wieder Zeit sich dem nächsten Jahrgang zu widmen. Draußen im Weinberg war Rebschnitt angesagt. Es ist schon seltsam, wenn man im Keller seinen Wein ausbaut und gleichzeitig schon für das nächste Jahr planen muss.


Im Frühjahr war es dann endlich so weit: Unser Wein wurde von der Hefe geholt, filtriert und nach neuerlicher Verkostung abgefüllt. Anschließend ging es gleich zum Weinbauamt Eltville zur Anstellung für die amtliche Prüfnummer.

Hier sieht man uns (Ole, Micha, Thomas) beim Etikettieren. Dies musste sicherlich von Hand geschehen, da man sichergehen wollte, dass das handgefertigte Etikett keine Schäden nimmt.
Die Flaschen wurden im Keller aus der Gitterbox geholt, mit einer Flaschenwaschmaschine gesäubert und anschließend in 60er Holzgestelle gesetzt.

In dieser übersichtlichen Produktionsmenge wurden die Flaschen anschließend mit einem Hauptetikett und einem Rückenetikett ausgestattet.
Nach einer kurzen Antrockzeit wurden die etikettierten Flaschen noch einer Qualitätsprüfung unterzogen und anschließend zum Verkauf in Regale gesetzt.

Jetzt wurde die heiße Phase eingeläutet: Wie kommt der Wein bei den Kunden an? Wird er schmecken? Wurden Weinfehler übersehen?
Die Nachfrage war überwältigend, alle waren ganz gespannt was der „Junior“ für einen Wein gemacht hat. Da auch das Feedback überwiegend positiv war, entschloss man sich den Wein bei der Landesweinprämierung anzustellen, mit Erfolg wie sich später herausstellen sollte:

Dem Wein wurde die Preismünze in „SILBER“ zuerkannt.

Dies ist die vorerst letzte Etappe unseres 2007 Primus, der darauf wartet probiert und mit Genuss getrunken zu werden.